Wie makroökonomische Faktoren die industrielle Sachversicherung beeinflussen

30. Januar 2023 von P. Merker

Versicherungen werden abgeschlossen, um Unsicherheit zu reduzieren. Was aber, wenn die Versicherungspolice selber Gegenstand größter Unsicherheit wird? Diese Entwicklung beobachten wir gerade in der industriellen Sachversicherung.

Aus welchen makroökonomischen Faktoren resultiert die Unsicherheit? Was sind die Folgen für die Sachversicherung in Industrie und Gewerbe? Welche Handlungsoptionen haben Sie als Unternehmer und wie sind diese zu bewerten?

Hierum soll es im Folgenden gehen.

Teil 1: Makroökonomische Trends und Einflüsse

Inflation – Gekommen um zu bleiben?

Ursachen der Inflation

Spätestens mit Ausbruch der weltweiten Pandemie im Jahr 2020 ist die Misere losgetreten worden: Nach dem anfänglichen pandemiebedingten Einbruch von Nachfrage und Angebot wurde durch jede Menge staatlicher Hilfsprogramme die Nachfrage hochgeschraubt.

Weltweite Produktionsrückgänge auf der einen Seite und auf der anderen Seite ein geänderter Konsum hin zu langlebigen Konsumgütern (haben Sie auch ein neues Sofa gekauft?) führten zu Lieferengpässen. Vorprodukte und Rohstoffe wurden knapp und knapper.

Der russische Angriffskrieg wirkte als Brandbeschleuniger. Durch Sanktionen und Lieferkettenunterbrechungen verteuerten sich Energie und Rohstoffe nochmals. Die Preise wurden weiter nach oben getrieben.

Hohe Inflationsraten sind per sé ein Unsicherheitsfaktor, aber die größte Unsicherheit bereitet im Moment die Frage, wie es weitergeht mit den Preissteigerungen.

Erzeugerpreise vs. Verbraucherpreise

Grund zur Hoffnung, dass der Peak überschritten ist, geben die Erzeugerpreise.

Denn diese laufen üblicherweise den Verbraucherpreisen voraus. An den Erzeugerpreisen lässt sich ablesen, wie teuer die Produktion von Gütern ist. Daran wiederum lässt sich ablesen, mit welchen Preissteigerungen Verbraucher in Zukunft zu rechnen haben.

Zwar sind die Erzeugerpreise noch immer auf historisch hohem Niveau. Im Dezember betrug der Anstieg 21,6 %. Aber – und das ist die gute Nachricht – noch im September lag der Anstieg fast doppelt so hoch!

Veränderung des Verbraucherindex im Vergleich zum Erzeugerpreisindex - mit und ohne Energie

Sie sehen also, dass die Produktionskosten sinken. Ursache für diese hoffnungsvolle Entwicklung sind im Wesentlichen die Energiepreise, die sich wieder etwas normalisieren. Zum anderen scheinen sich aber auch die Lieferketten zu stabilisieren.

Kann also Entwarnung gegeben werden?

Vermutlich noch nicht, denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Energiepreise wieder hochgehen. Und eine zweite „Gefahr“ droht von der Lohnfront in Form von inflationsausgleichenden Lohnsteigerungen. Eine weitere Preissteigerungswelle ist möglich.

Einfluss von Zinsen und Investitionen

Und dann sind da noch die Zinsen, die die Finanzierungskosten verteuern und zu Investitionsrückgängen führen können. Das hätte natürlich einen preisdämpfenden Effekt, aber womöglich um den Preis einer Rezession.

Das gleiche gilt, wenn Unternehmen ihre Produktion drosseln wegen der gestiegenen Energiepreise und stattdessen Energiekontingente am Spotmarkt verkaufen. Dies könnte zwar auf die Inflation drücken, aber ebenfalls Rezessionssorgen heraufbeschwören.

Wenn die Stilllegung oder Drosselung energieintensiver Produktionsbetriebe, wie zum Beispiel Stahlwerke, erneut zu einer Verknappung – zum Beispiel bei den Baurohstoffen -führt, könnte andererseits eine neue Welle von Preisanstiegen die unangenehme Folge sein.

Auch das wiedererwachte China könnte knappe Rohstoffe massiv nachfragen und die Preise treiben.

Und langfristig?

Und was passiert auf lange Frist? Werden wir wieder die „guten alten Zeiten“ mit um die 2 % bekommen?

Die Demografie (mehr Rentner, weniger Produktive), grüne Transformation und Decarbonisierung, steigende Militärausgaben und Deglobalisierungstendenzen sind Strukturveränderungen, die bezahlt werden wollen. Unserer Meinung nach dürften wir also auch auf längere Frist deutlich höhere Inflationsraten sehen.

Fazit: Nicht nur die Inflation, sondern vor allem die künftige Inflationsentwicklung bleibt uns als Unsicherheitsfaktor erhalten.

Lieferkettenprobleme

Eng mit den inflationsbedingten Unsicherheiten verbunden ist das Problem der gestörten Lieferketten. Die pandemiebedingten Lieferausfälle im Jahr 2020 haben in nicht unerheblichem Maße die Inflation angetrieben.

Im Jahr 2022 war es dann die strikte Corona-Politik von China, die drastische Auswirkungen auf die Lieferketten hatte. Der Hafen in Shanghai war wochenlang geschlossen. Vor der europäischen Nordseeküste stauten sich mehr als tausend Schiffe.

Zu den bereits vorhandenen Störungen als Folge von Corona und China-Lockdown trafen mit dem Ukraine-Krieg nun auch geopolitische Konflikte unmittelbar den globalen Handel.

Handel durch Wandel? Die Basis unserer Weltordnung schien sicher.

Das Ausmaß der Lieferketten-Engpässe hat durch den Krieg eine neue Dimension erreicht. Wir sehen, wie abhängig wir von der Globalisierung sind, insbesondere bei der Energieversorgung. Die aktuelle Energiepreiskrise ist für einige energieintensive Unternehmen sogar existenzbedrohend.

Aber auch andere Ursachen tragen dazu bei, dass Lieferketten nicht funktionieren: Container-Mangel, fehlende LKW-Fahrer, hohe krankheitsbedingte Personalausfälle.

Fazit: Die globalen Lieferketten bleiben aufgrund des Krieges weiter fragil. Auch wenn die Unternehmen bereits Anpassungen vorgenommen haben, bleibt Unsicherheit.

Naturkatastrophen und Großbrände

Naturkatastrophen

Die verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal beherrschte den Versicherungsmarkt 2021. Für die deutschen Versicherer war 2021 mit einem Schadenaufwand von 8 Mrd. Euro das teuerste Jahr ihrer Geschichte.

Weltweit war 2021 mit 120 Mrd. USD Schadenaufwand das viertteuerste Naturkatastrophenjahr. Hurrikan „Ida“ und Wintersturm „Uri“ verursachten erhebliche Schäden, wobei Uri besonders die Chemiebranche traf.

Es gibt genügend Prognosen, die darin keine Ausnahme sondern einen Trend sehen.

Folgt man diesen, so werden wir in Zukunft viele extreme Unwetterereignisse sehen. Starkregen und Hochwasser in Europa, schwere Gewitter in den USA, anhaltende Dürren, Rekordniedrigwasser auf wichtigen Wasserstraßen.

In der Tat: Die sogenannten sekundären Gefahren (Hagel, Waldbrand, Gewitter) sind keineswegs sekundär. Sie verursachten gemäß der Swiss Re im Jahr 2022 weltweit fast 50 % der Naturkatastrophenschäden!

Auch im Jahr 2022 gab es viele weltweite Naturkatastrophen wie Überschwemmungen in Australien, China und Südafrika, Erdbeben in Japan und Afghanistan, lokale Tornadoereignisse in den USA, Winterstürme in Deutschland.

Dennoch war das Jahr 2022 aus versicherungstechnischer Sicht ein eher durchschnittliches Naturkatastrophenjahr. Zwar waren in Deutschland viele Wohngebäudeschäden zu beklagen, aber anders als im Vorjahr blieben die deutschen Industrieunternehmen weitestgehend verschont.

Großbrände

2021 war auch das Jahr der Großbrände: Ein Feuerschaden in einem metallverarbeitenden Betrieb im Februar 2021 und in einer chemischen Anlage im Juli 2021 haben den Versicherern zugesetzt. Das Problem sind unter anderem brennbare Baustoffe, wie zum Beispiel Isoliermaterialien aus geschäumten Kunststoffen.

Eine solche Häufung von Großbränden konnte im Jahr 2022 nicht beobachtet werden. Das klingt nach Beruhigung in der industriellen Sachversicherung.

Fazit: Unzweifelhaft steigen die Versicherungsschäden aus Naturkatastrophen an. Es sind vor allem jedoch die sich häufenden, schwer vorauszusehenden Großschadensereignisse, die für Unsicherheit in der Sachversicherung sorgen.

Exkurs: Kumulrisiken

Wenn schon, denn schon

Mit Kumulrisiko wird das Risiko bezeichnet, dass ein und dasselbe Ereignis gleichzeitig bei vielen Versicherten Schäden auslöst. Die momentane Situation, geprägt vom Krieg in der Ukraine, von makroökonomischen Herausforderungen und von Naturkatastrophen rückt diese Art von Risiko wieder in den Vordergrund. Zum Beispiel bergen aktuell Ausfälle bei Versorgern durch einen Sachschaden ein erhebliches Kumulrisikopotential.

Teil 2: Was sind die Auswirkungen auf die industrielle Sachversicherung?

Verteuerung der Schäden

Inflation und Lieferkettenproblem führen dazu, dass Schäden teurer werden.

Die Effekte sind vielschichtig: Da die Wiederbeschaffungswerte für beschädigte Gebäude, Maschinen und Anlagen inflationsgetrieben steigen, steigen die Schadenssummen.

Die Selbstbehalte werden schneller erreicht, was ebenfalls den Schaden in der Sachversicherung verteuert.

Neben dem eigentlichen Sachschaden (defekte Maschine, abgebranntes Betriebsgebäude) hat die Inflation auch auf die übrigen Kosten Einfluss: Aufräumarbeiten, Abbruchkosten und Schutzkosten, Mehraufwand durch behördliche Anordnungen. Auch diese Positionen werden deutlich höhere Schadenssummen aufweisen.

Die Störungen in den Lieferketten sorgen dafür, dass Wiederaufbau oder Reparatur nach einem Schaden länger dauern, weil Ersatzteile, Baumaterialien oder Maschinen nur verzögert beschafft werden können. Wenn geschädigte, versicherte Unternehmen nicht produzieren können, verteuern sich die Betriebsunterbrechungsschäden.

Steigende Rückwirkungsschäden

Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat die Versicherer auch deshalb so schwer belastet, weil nicht nur direkte Schäden verursacht wurden, sondern auch hohe Rückwirkungsschäden.

Exkurs: Rückwirkungsschaden

Rückwirkungsschäden entstehen, wenn ein Schaden bei einem Ihrer Zulieferer oder Abnehmer zu Ertragsausfällen in Ihrem eigenen Unternehmen führt. Dabei haben Sie selbst keinen Sachschaden erlitten. Das heißt, der Wegfall von Zulieferern oder Abnehmern und daraus resultierende Ertragsverluste stellen also ein Risiko für den eigenen Betrieb dar, gegen welches Sie sich versichern können.

So konnten viele Industriekunden beobachten, dass ihre Limite für Rückwirkungsschäden geringer geworden sind.

Sinkende Versicherungskapazitäten

Die Kapazitäten der Rückversicherer für Naturkatastrophen sind laut Fitch rückläufig. Dies gilt für besonders Gefahren wie Hurrikans in Nordamerika, Erdbeben in Kalifornien und Japan oder Überflutungen in Deutschland (Stichwort Kumulrisiko).

Letztendlich erhöhen sich durch die genannten Effekte auch die sogenannten PML (Probable Maximum Loss), also die wahrscheinlichen Höchstschäden, was ebenfalls zu erhöhten Kapazitätsbedarfen für die industrielle Sachversicherung führt.

Steigende Prämien

Die hohen Inflationsraten und die steigenden Schadenskosten wirbeln die Preise in der gewerblichen und industriellen Sachversicherung durcheinander. Selbst die Finanzaufsicht Bafin warnt vor „zwingend höheren Beiträgen“.

Zum einen führen die vielfach vorhandenen Wertzuschlagsklauseln in den Versicherungsverträgen dazu, dass die Versicherungssummen automatisch angepasst werden (hierauf kommen wir später zurück). Mit steigenden Versicherungssummen bzw. Erhöhungen der Preisindices erhöht sich also auch die Berechnungsgrundlage der Prämien.

Auch Anpassungsklauseln für die Prämien selber erlauben den Versicherern, die Beiträge hochzuschrauben.

Letztendlich scheint es einleuchtend: Wenn Schäden und Risiken steigen, müssen die Versicherungsprämien steigen.

Und nicht nur die Prämien und sonstige Konditionen müssen mit den Schäden mithalten, sondern auch die Risikopuffer, um den gestiegenen Volatilitäten zu entsprechen.

Wie stark ein Versicherer an der Preisschraube dreht, hängt vom Wettbewerb, der eigenen Strategie und Finanzstärke ab.

Wir haben Angaben gefunden und Aussagen erhalten, die Prämienaufschläge zwischen 10 % und 25 % für die industrielle Sachversicherung nennen, andere Quellen nennen sogar Prämiensteigerung von 30 % bis 40 %.

Die Steigerung bei den Betriebsgebäuden wird dabei eher am unteren Ende der Range gesehen (eher 15 %) und die für die kaufmännische und technische Betriebsausstattung eher am oberen Ende (mehr als 40 %) – Stand heute.

Die Prämien werden also steigen. Allerding – und das ist in der aktuellen Situation das Gemeine – mit Verzögerung.

Grund: Die Preisentwicklung wird durch das Statistische Bundesamt zwar fortlaufend erfasst – die daraus abgeleiteten Indizes ergeben sich jedoch zeitversetzt. Die jeweiligen Anpassungen erfolgen dann nochmals zeitversetzt erst im Folgejahr.

Die Industrieversicherung wird also jetzt, bei den Renewals 2023, die Inflation des Jahres 2022 mit voller Wucht erleben.

Unterversicherung in der industriellen Sachversicherung

Gleichzeitig droht – trotz der tariflichen Anpassungen – eine Unterversicherung.

Das passiert zum einen, wenn der Versicherungswert der Gebäude, Maschinen und Waren inflationsbedingt inzwischen deutlich größer ist als die Versicherungssumme.

Zugleich führen die Lieferkettenprobleme und Preisunsicherheiten dazu, dass Unternehmen ihre Einkaufspolitik ändern: Sie kaufen mehr auf Vorrat und erhöhen ihre Lagerbestände.

Dies alles kann dazu führen, dass vereinbarte Entschädigungssummen nicht mehr ausreichen, im Fall der Fälle die Schäden zu decken.

Die Folgen einer Unterversicherung können im Schadenfall erhebliche Auswirkungen auf Unternehmen haben. Denn die Versicherer kürzen anteilig die Entschädigungsleistungen, wenn die Versicherungssumme niedriger ist als der tatsächliche Versicherungswert.

Praxistipp: Wichtig für Sie als Unternehmen: Die Verantwortung für die korrekte Versicherungssumme liegt bei Ihnen! Der Versicherer interessiert sich üblicherweise erst im Schadensfall für die Korrektheit (oder Unkorrektheit) der Versicherungssumme – also wenn es zu spät ist.

In diesem Artikel haben wir uns ausführlich mit den Gefahren der Unterversicherung auseinandergesetzt.

In der aktuellen Situation ist leider auch nicht mehr sichergestellt, dass die vertraglich vereinbarten Wertzuschlagsklauseln die erhöhten Versicherungswerte ausreichend abbilden.

Auch der „Time Gap“, also die zeitweilige Unterversicherung wegen überproportional steigender Indizes, geht zu Lasten der Versicherungsnehmer.

Auf der anderen Seite sind jedoch in der industriellen Sachversicherung manchmal Summenbegrenzungen notwendig, um überhaupt ein Risiko von den Kapazitäten her versicherbar zu machen.

Fazit: Die Versicherungsprämien in der Sachversicherung Industrie und Gewerbe werden steigen. Viele Unternehmen rauschen in die unbeabsichtigte Unterversicherung.

Was können Sie tun?

Darum geht es im dritten und letzten Teil unseres Beitrages.

Teil 3: Welche Handlungsoptionen haben Sie?

Höherer Selbstbehalt

Überprüfen Sie die Höhe Ihrer Selbstbehalte.

Auch diese erodieren aufgrund der Inflation deutlich schneller. Idealerweise sollten diese stetig oder ratierlich mit den Preisentwicklungen angepasst werden, um vor schmerzhaften Sprüngen zu bewahren.

Künftig können Sie noch mehr Risiko übernehmen und weniger Prämie zahlen, indem Sie noch höhere Selbstbehalte vereinbaren.

Auch höhere Betriebsunterbrechungsselbstbehalte – festgesetzt in Tagen oder Prozenten – sind möglich.

Wieviel Risiko Sie im Zweifel zu tragen bereit oder in der Lage sind, sollten Sie mit Ihrem Versicherungsmakler besprechen.

Kündigung und Tarifwechsel

Natürlich können Sie den Prämienerhöhungen widersprechen oder sogar die Police kündigen.

Aber Vorsicht! In der jetzigen Situation sollten Sie vor dem endgültigen Ausstieg beim alten Versicherer unbedingt eine schriftliche Zusage auf dem Tisch liegen haben, denn die sinkenden Kapazitäten und Limite bei den Sachversicherern verbieten zu viel Optimismus.

Grundsätzlich können Sie Ihre Policen nur zum Vertragsablauf kündigen. Aber: Wenn zur automatischen Neuwertanpassung eine Beitragserhöhung aufgrund höherer Schäden hinzukommt, gibt es üblicherweise ein Sonderkündigungsrecht.

Ob ein Tarifwechsel oder ein Wechsel des Sachversicherers sinnvoll ist, zeigt Ihnen ebenfalls ein leistungsstarker Versicherungsmakler auf.

Der riskante Weg: Versicherungssumme nicht anpassen

Die Anpassung auszusetzen ist in der aktuellen Situation nicht zu empfehlen, denn damit steuern Sie sehenden Auges in die Unterversicherung. (Es sei denn, die bisherige Versicherungssumme war viel zu hoch – damit hätten Sie dann sehenden Auges in der Vergangenheit zu viel Prämie gezahlt).

Rechnen Sie damit, dass der Versicherer Ihnen einen eventuellen Unterversicherungsverzicht streicht, wenn Sie die Anpassung nicht mitmachen.

Der bessere Weg: Versicherungssummen anpassen

Die richtige Versicherungssumme in der industriellen Sachversicherung

Da beißt die Maus keinen Faden ab: Damit ein Schaden vollständig vom Versicherer ersetzt werden kann, muss die Versicherungssumme jeweils dem Versicherungswert entsprechen.

Das heißt: An einer sorgfältigen Überprüfung und Anpassung der Versicherungssummen führt kein Weg vorbei.

In den meisten Sachversicherungs-Verträgen ist der Neuwert versichert. Das sind bei Gebäuden die aktuellen Kosten eines gleichartigen Neubaus inklusive Planungskosten und für die kaufmännische und technische Betriebseinrichtung die Aufwendungen für gleichartige neue Maschinen, Computer und Schreibtische.

Grundsätzlich gibt es zwei Wege, die Versicherungssumme an die Neuwerte anzupassen:

  • Durch Wertzuschläge
  • Durch Neuermittlung der Versicherungssumme

Anpassung der Versicherungssumme durch Wertzuschläge

Versicherungsverträge enthalten die sogenannten Anpassungsfaktoren, die vor einer inflationsbedingen Unterversicherung schützen sollen.

In die Anpassungsfaktoren fließen die vom Statistischen Bundesamt ermittelten Steigerungen der Arbeits- und Materialkosten ein. Somit steigen die Versicherungssummen automatisch. So weit, so normal.

Aufgrund der aktuellen Entwicklung sind die Anpassungsfaktoren zum Januar 2023 allerdings überdurchschnittlich stark angestiegen. So werden die Indizes für Gebäude um fast 18 % ansteigen und für die technische und kaufmännische Betriebseinrichtung werden es 30 % und mehr sein.

Darüber hinaus resultieren aus Unsicherheiten und Volatilitäten weitere Probleme:

  1. Niemand weiß, ob die aktuellen Anpassungen zu hoch oder niedrig ausfallen.
  2. Bereits beim Vergleich zwischen Gebäude und Einrichtung wird deutlich, dass die Indizes sich unterschiedlich stark entwickeln. Wenn Sie sich jetzt zum Beispiel noch die aktuellen Indizes für Energie (Erdöl und Erdgas + 337,3 %), Löhne (Reallohnrückgang – 5,7% im III. Quartal 2022) und Software (+ 3 % im III. Quartal 202) ansehen, wird deutlich, dass pauschale Anpassungen die Realität nicht abbilden.

Daher unsere Empfehlung:

Lassen Sie sich von uns eine individuelle Anpassung der Faktoren erstellen. Möglicherweise liegt die Inflation für Ihren eigenen Maschinenpark deutlich niedriger!

Möglicherweise liegt Ihre individuelle Inflation aber auch darüber, dann haben Sie zumindest die Gefahr der Unterversicherung gebannt.

Denn:

Wenn Sie eine individuelle Anpassung vornehmen, werden die Versicherer in künftigen Schadenfällen erfahrungsgemäß intensiver prüfen, ob die Versicherungssumme ausreichend ist und keine Unterversicherung vorliegt.

Praxistipp: Für unsere Kunden übernehmen wir die Verantwortung, dass die Versicherungssumme stimmt!

Weiterhin ist zu beachten, dass die Wertzuschlagsklausel so nur bei deutschen Versicherungsverträgen bekannt ist. Bei Risiken im Ausland ist diese automatische Anpassung nicht vorgesehen.

Neuermittlung der Versicherungssummen

Noch sicherer und treffgenauer ist es, die gesamte Versicherungssumme neu und individuell zu ermitteln. Denn:

Auch ein individueller Index erfasst nicht, ob überhaupt alle zu versichernden Sachen korrekt erfasst sind.

Ein Beispiel:

Oft werden neue Maschinen hinzuversichert, nicht mehr vorhandene aber nicht mit den korrekten Neuwerten herausgenommen. Unter dem Strich wäre hier „viel zu viel“ versichert. Weitere Beispiele geben wir in diesem Artikel in der ASS Compact.

Praxistipp: Darauf muss der Versicherer sofort reagieren, da das sogenannte „versicherte Interesse“ weggefallen ist!

Wenn Sie die Versicherungssumme neu ermitteln lassen, so können Sie genau zwischen der Versicherung für das Betriebsgebäude und Einrichtung abgrenzen. Warum das grundsätzlich wichtig ist, haben wir in diesem Artikel beschrieben.

Wenn Sie noch einmal einen Blick auf die Anpassungsfaktoren werfen (Gebäude 18 %, Einrichtung über 30 %) wird deutlich, dass ein versehentlich in der Einrichtung gelangter Gebäudeteil derzeit erst recht keine gute Idee ist.

In manchen Policen bei Sachversicherung ist die Möglichkeit eines Summenausgleiches zwischen Gebäude und Einrichtung vorgesehen. Aber auch dieses Potenzial dürfte derzeit inflationsbedingt sehr schnell erodieren.

Neben der Versicherungssumme für Gebäude und Einrichtung sollte auch die Versicherungssumme für Vorräte (zum Beispiel Rohstoffe, Halbfertig- und Fertigprodukte oder Verpackungen) kritisch geprüft werden. Hierfür gibt es üblicherweise keine automatischen Anpassungsfaktoren.

Praxistipp: Die Anpassung von Versicherungssummen in der industriellen Sachversicherung ist unser „Brot und Butter“-Geschäft. Zögern Sie nicht, uns anzurufen. Wir beraten Sie gern.

Haftzeiten in der Ertragsausfallversicherung anpassen

Ein letzter wichtiger Hinweis, der Sie zwar womöglich Geld kostet, aber doch erhebliche Risiken von Ihrem Unternehmen nehmen kann:

Überprüfen Sie die Haftzeiten in der Betriebsunterbrechungsversicherung!

Vielfach sind im Moment 24 Monate angebracht, denn durch die Lieferengpässe verlängern sich die Ausfallzeiten.

Fazit: Mit den Unsicherheiten in der Welt müssen wir umgehen. Ein Stück weit haben wir es jedoch in der Hand, dass nicht ausgerechnet die Versicherungspolice zum Unsicherheitsfaktor wird!

Haftzeiten in der BU anpassen

Ein letzter wichtiger Hinweis, der Sie zwar womöglich Geld kostet, aber doch erhebliche Risiken von Ihrem Unternehmen nehmen kann:

Überprüfen Sie die Haftzeiten in der BU-Versicherung!

Vielfach sind im Moment 24 Monate angebracht, denn durch die Lieferengpässe verlängern sich die Ausfallzeiten.

Fazit: Mit den Unsicherheiten in der Welt müssen wir umgehen. Ein Stück weit haben wir es jedoch in der Hand, dass nicht ausgerechnet die Versicherungspolice zum Unsicherheitsfaktor wird!

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Philip Merker Sachverständiger für Maschinenbewertungen

Philip Merker, MBA

Zertifizierter Sachverständiger für die Bewertung von Maschinen und technischen Anlagen (DIN EN ISO / IEC 17024)

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