Was sind die Risiken bei Unterversicherung?

Im Schadensfall wird die Versicherungssumme überprüft. Ist diese zu niedrig, leistet der Versicherer nur anteilig Entschädigung entsprechend des Prozentsatzes der Unterversicherung. Beispiel: Ihre Versicherungssumme beträgt 10 Mio. EUR, Ihre Einrichtung hat aber einen Neuwert von 12,5 Mio. EUR. Die Unterversicherung beträgt also 20%. Liegt nun ein Schaden in Höhe von 1 Mio. EUR vor, erstattet der Versicherer also lediglich 80% des Schadens – also 800.000 EUR. Die Differenz in Höhe von 200.000 EUR muss Ihr Unternehmen selbst aufbringen.

Wir empfehlen unseren Kunden, die Neuwertermittlung ihres Betriebes aufgrund von sich fortlaufend ändernden Bedingungen alle 5 Kalenderjahre überprüfen zu lassen.

Unsicherheitsfaktoren bei der eigenen Bewertung der Anlagen sind unter anderem

  • günstige Einkaufskonditionen, z. B. Messekäufe oder Auktionskäufe, die im Schadensfall nicht erneut zu erzielen sind,
  • Kauf von gebrauchten Maschinen, da der effektive Neuwert entscheidend für die Versicherungssumme ist,
  • Übernahme von Maschinen aus Leasingverträgen,
  • Montagekosten, die gerne unter Reparaturen „weggebucht“ und nicht aktiviert werden,
  • aktuelle Preisentwicklungen, z.B. Stahlpreise im Behälterbau

Wie hingegen wirkt sich Überversicherung aus?

Überversicherungen können zum Beispiel entstehen, wenn beim Abgang einer Maschine der ursprüngliche Anschaffungswert aus der Versicherungssumme entfernt wird – anstatt des aktuellen Neuwertes einer ähnlichen Maschine oder des hochindizierten Wertes. Geschieht dies öfter, wird peu à peu die Versicherungssumme immer höher.

Da sich Ihre Prämien aber nach der Versicherungssumme bemessen, zahlen Sie in diesem Fall systematisch zu hohe Versicherungsbeiträge.

Im Schadensfall ersetzt Ihnen die Versicherung aber maximal den festgestellten Schaden, unabhängig von Ihren hohen Versicherungsbeiträgen.

Wir hoffen, dass es nie zum Ernstfall in Ihrem Unternehmen kommt. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Sie jedoch bestmöglich hierauf vorzubereiten, damit Ihr Untermehmen auch den Schadensfall souverän übersteht.

Sachverständigenverfahren

Im Schadensfall können Sie als Versicherungsnehmer die Ermittlung der Schadenhöhe – auf deren Grundlage die Entschädigung gezahlt wird – durch ein Sachverständigenverfahren verlangen. Dies ist gesetzlich im §84 VVG und § 10 AFB geregelt.

Dabei benennt jede Partei – also der Versicherungsnehmer und der Versicherer – einen Sachverständigen ihres Vertrauens. Die wiederum benennen ihrerseits einen gemeinsamen Obmann (ebenfalls aus dem Kreis qualifizierter Sachverständiger). Von den beiden Sachverständigen zusammen wird ein Gutachten erstellt, in dem die Höhe des Schadens festgestellt wird.

Das Gutachten muss ein Verzeichnis der vom Schaden betroffenen Sachen enthalten sowie deren Versicherungswerte, die Wiederherstellungs- oder Wiederbeschaffungskosten, die Restwerte und die nach dem Versicherungsvertrag versicherten Kosten.

Sollten sich die beiden Sachverständigen in einzelnen Punkten nicht einig werden, werden diese Punkte von dem Obmann abschließend entschieden. Die Feststellungen der Sachverständigen und/oder des Obmannes sind für beide Vertragsparteien verbindlich und können nur bei erheblichen Abweichungen gerichtlich angefochten werden.

In der Regel sind die Sachverständigenkosten nach § 85 VVG mitversichert, d.h. der Versicherer übernimmt auch die Kosten für Ihren Sachverständigen.

Definition Neuwert

Als Neuwert gilt der Wiederbeschaffungspreis für den Gegenstand (in neuem Zustand) einschließlich aller Nebenkosten für Beschaffung und Montage bis zur Betriebsbereitschaft. In den Fällen, in denen der Zeitwert eines Gegenstandes geringer ist als 40% seines Neuwertes, gilt allein der geringere Wert (Zeitwert).

Der Neuwert wird insbesondere für Ermittlung der korrekten Versicherungssumme benötigt.

Definition Zeitwert

Der Zeitwert von Maschinen wird berechnet, um zum Beispiel den Eröffnungsbilanzwert der technischen und kaufmännischen Betriebseinrichtung zu erhalten. Der Zeitwert wird daher für

  • Firmengründungen,
  • Ausgliederung von Tochtergesellschaften oder
  • Umwandlungen von Gesellschaftsformen benötigt.

Als Zeitwert gilt dabei der Zustand des Gegenstandes für seinen bestimmungsgemäßen Einsatz, wobei davon ausgegangen wird, dass das Unternehmen in derselben Weise fortgeführt wird. Der zwischen Neuwert und Zeitwert bestehende Minderwert ist nicht durch eine Abschreibungsquote festgestellt; er ist entsprechend dem insbesondere durch Alter und Abnutzung bestimmten Zustand geschätzt.

Unsere Gutachten werden von den Steuerbehörden als Bewertungsgrundlage anerkannt.

Definition Verkehrswert

Der Verkehrswert ist im Bewertungsgesetz definiert (als sogenannter gemeiner Wert nach §9 BewG). Dieser bestimmt sich nach dem Preis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr und je nach Beschaffenheit des Wirtschaftsgutes bei einem Verkauf erzielbar wäre. Dabei sind sämtliche preisbeeinflussenden Umstände zu berücksichtigen – nicht jedoch ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse. Der Verkehrswert unterstellt die Fortführung des Betriebes – im Gegensatz zum Liquidationswert.

Die korrekte Bestimmung des Verkehrswertes erfordert umfassende Marktkenntnisse und Erfahrungen und basiert auf der Beobachtung hinreichend vieler aktueller Transaktionen am Markt.

Den Verkehrswert benötigen Sie üblicherweise für Käufe und Verkäufe oder für Finanzierungszwecke.